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Free- vs. Paid Content

Steht der Journalismus vor dem Ende oder hat er ein neues Businessmodell entdeckt?

Wir alle kennen Hochglanzmagazine, Zeitungen und Zeitschriften für alle Möglichen Interessen und Zielgruppen. Zwischen 2 Schweizer Franken und 20 Franken sind so ziemlich alles erhältlich das das Leserherz begehrt. Von Mäusemagazin bis hin zum täglichen Newsjournalismus können wir uns stets informieren und amüsieren. Doch das interessiert hier wohl kaum. Es wird immer wieder diskutiert dass der Journalismus vor dem Ende steht wenn er nicht kostenpflichtig beziehungsweise eingeschränkt im freien Erhalt wird.

Wie funktioniert das Businessmodell einer Zeitung oder einer Zeitschrift? Grundsätzlich finanziert sich der redaktionelle Teil (die einzelnen Geschichten) durch die Werbeeinnahmen. Man kann wohl kaum davon ausgehen, dass der Magazinpreis für die Deckung der Kosten komplett einstehen kann. Der Preis für eine Ausgabe welches Magazins oder Zeitschrift auch immer ist höchstens für dessen Produktion verantwortlich und deckt wohl eher diese Kosten als jene für den wahren Journalismus.

Auf der Internet World 2010 in München habe ich zu diesem Thema eine Podiumsdiskussion verfolgt, die sich intensiv mit dieser Thematik auseinandersetzte. Das Hamburger Abendblatt (Unternehmen des Axel Springer Verlags) hat ein Modell entwickelt um der Problematik des Journalismusuntergangs entgegenzuwirken. Dabei wird Content als in Form eines Teases angepriesen und muss erst bezahlt werden wenn man diesen zu Ende lesen möchte. Das Modell sieht sehr spannend aus, allerdings bin ich noch nicht wirklich überzeugt ob es denn auch für die breite Masse tauglich ist/sein wird.

Passend dazu hat Contilla ein System entwickelt um den Journalismus durch eine Software bezahlbar/käuflich zu machen. Das Prinzip ist einfach. Der Journalist stellt seinen Inhalt gegen Entgelt des Publishers zur Verfügung. einen Teil des Geldflusses bezieht Contilla für sich als Systembenutzungsgebühr den Rest erhält der Journalist. Im Gegenzug hat dann der Publisher die Möglichkeit diesen „qualitativ hochwertigen“ Beitrag bliebig oft weiter zu verwenden und damit Geld zu verdienen.

Michael Konitzer (selbst Journalist und Kritiker) sieht bei Paid-Content allerdings auch ein Problem. Durch die Verbreitung des Contents durch das Internet (beispielsweise durch Blogger) ist der „qualitativ hochwertige“ Journalismus möglicherweise etwas in Gefahr aber dieser kann/wird durch die Blogger wohl wettgemacht werden. Konitzer ist auch der Meinung, dass das gemeine Volk wohl kaum daran interessiert ist bis zu 0.50 CHF für einen Beitrag zu zahlen. Es wird also folglich auf die Suche gehen nach Alternativen zu Paid-Content.

Wichtig um überhaupt Paid-Content massentauglich zu machen ist eigentlich eine Allianz von Verlägen, die auf einen Schlag gemeinsam den bezahlten Journalismus forcieren und diesen rigoros durchsetzen. Ansonsten wird es wohl kaum eine Chance haben.

Um auf die Eingangsfrage zurück zu kommen würde ich meinen, ist das Businessmodell Paid-Content für Premium-Content und Special-Interest Content sicherlich geeignet, jedoch für die breite Masse völlig ungeeignet. Daher wohl eher eine Möglichkeit ein neues Businessmodell aufzubauen und sich zusätzlich an etwas zu bereichern, was schon mit Werbeeinnahmen gedeckt wird.

Ebenfalls interessant dürfte die Frage sein, ob Paid-Content dann auch werbefrei sein wird/ist. Wenn nicht, käme dem Paid-Journalismus wohl eine neue Bedeutung zu: «Doublepaid-Journalismus» wäre dann wohl der richtige Ausdruck. Und um gleich noch etwas weiter zu spinnen, würde dieser Werbeplatz dann auch noch teurer verkauft werden, weil man sogleich eine neue Zielgruppe festhalten kann – jene mit dem dicken Geldbeutel?

Ich schaue gespannt in die Zukunft.

1 Kommentar

  1. Pingback: Ist der gute Journalismus am Ende... | joelsteinmann.ch

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