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Menschsein 2.0

Wie will man etwas verurteilen, wenn man nicht weiss wovon man spricht? Diese Frage stellte Abt Martin Werlen vom Benediktiner Kloster Einsiedeln anlässlich des Symposiums der Ernst Schmidheiny Stiftung in Interlaken. Erstmal hat mich beeindruckt, dass die Kirche mit Abt Martin einen Social Media Vertreter hat. Kirche und Technologie passt irgendwie nicht so zusammen – Stichwort der Illuminati. Aber dennoch scheint Abt Martin einen Weg gefunden zu haben – durch ein Selbstexperiment – sich in Social Media zu bewegen.

Nun wie bewegt er sich beispielsweise auf Twitter? Eine kleine Anekdote. Er wollte mit dem Zug von Einsiedeln nach Frankfurt, hatte aber bloss ein Ticket bis Zürich gelöst und stellte sich die Frage, wie er denn nun an ein Ticket von Zürich nach Frankfurt kommen könne. Er tippte in Twitter und suchte nach einem Helfer, der ihm ein Ticket lösen würde und es gegen Barzahlung am entsprechenden Gleis abgeben würde. Das war dank Social Media auch der Fall und Abt Martin kam an sein Ticket. Mir stellt sich hier die Frage, ob Abt Martin denn noch nichts von der SBB-App gehört hat. Doch dies hat er nämlich schon berücksichtigt, denn mit der SBB-App lassen sich leider keine Ticktes ins Ausland lösen.

Abt Martin hat uns klar vermittelt, dass Social Media eben keine virtuelle Welt ist, die nur aus Maschinen besteht. Klar Maschinen braucht es, sie sind ein Instrument zum Zweck. ABER, dahinter steckt eben immer noch ein Mensch der mit einem anderen Menschen kommuniziert. Das ist das Zentrale bei Social Media. Vergessen wir doch heute zu sehr, dass Social Media keine Technologie, sondern ein Verhalten, eine Einstellung ist. Twitter und Facebook sind Social Media Tools und nicht bloss Social Media. Das ist der entscheidende Punkt.

Was oft in Social Media Kreisen diskutiert wird ist die Kommerzialisierung. Begriffe wie Social Commerce entstehen gerade und entwickeln sich bereits in vielen Ländern prächtig. Doch auch hier steht für die meisten Marketingmenschen das Tool zu zentral da. Die Innovation und Technologie rückt stehts in den Mittelpunkt, statt die Menschen um welche es eigentlich geht. War es doch schon vor vielen Jahren so, dass und Produkte mehr ansprechen, die uns emotional bewegen und uns ein Bedürfnis befriedigen. Der clevere Marketer erkennt dies und versucht somit die Bedürfnisbefriedigung zu „verkaufen“ und macht dieses im besten Fall so individuell wie möglich. Der Kunde wird sich dies merken und – Wiederkommen.

Man muss auch verstehen, dass Social Media wie ein Marktplatz funktioniert. Es herrscht kein Druck und dergleichen. Wenn jemand etwas posted ist man nicht gezwungen zu antworten, wie dies beim Email der Fall ist. Wichtig ist, dass man mit Humor und Schlagfertigkeit in Social Media viel erreichen kann. Dies clever zu verpacken ist aber eine grosse Kunst. Ich bin gespannt wie sich meine Social Media Zukunft und wie sich meine Kommunikation vom Fact-Selling zum Emotional-Selling entwickeln.

Es gibt zahlreiche Menschen, die über Social Media sprechen, selbst aber keinen Twitter, Facebook oder sonstigen Social Media Account besitzen. Es gibt positive wie negative Stimmen zu Social Media und einige davon sind auch vertretbar. Doch kann es meiner Meinung nach nicht richtig sein, etwas zu verurteilen – im negativen Sinn – ohne davon auch nur wenigstens einmal Gebrauch gemacht zu haben.

Was sind eure Erfahrungen mit Social Media? Ist für dich Social Media wahre Kommunikation mit einem Menschen, oder bloss eine Laune der Gegenwart?

Zu guter Letzt ein Joke by Abt Martin: Die SRG und die Kirche haben etwas gemeinsam und etwas unterscheidet sie. Beide haben kein Junges Publikum. Aber die Kirche hat das erkannt und die SRG nicht. 🙂

In diesem Sinn viel Spass und Freude mit Social Media.

Quellen: Keynote von Abt Marting Werlen

5 Kommentare

  1. Absolut einverstanden. Etwas verurteilen, ohne das Thema wenigstens ansatzweise zu kennen, das sollte man nie tun. Hat aber nicht speziell mit Social Media zu tun, sondern gilt für alles im Leben.

    Die „Social Media ist doch zeitverschwenderische Spielerei“-Fraktion ist grösser als man denkt…

  2. Pingback: Menschsein 2.0 | Kirche 2.0 | Scoop.it

  3. Pingback: Generation facebook – Wie sich unsere Welt verändert » Werlen, Twitter, Social, Bildung, Benediktinermönch, Media » Jürg Fraefel

  4. Thanks for the sensible critique. Me and my neighbor were just preparing to do some research about this. We got a grab a book from our location library but I feel I learned far more from this post. I

  5. Pingback: Anonymous

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